Erdal Tekin

Erdal Tekin ist an der Universität Stuttgart im Bereich Energiewirtschaft und erneuerbare Energien tätig und in verschiedenen Bereichen ehrenamtlich engagiert.

 

Das Leben als Muslim in Stuttgart habe sich im Laufe der Zeit verändert, erklärt der 29-Jährige. Als er aufgewachsen ist, sei er in erster Linie türkisch gelesen und als Türke bezeichnet worden. Nach und nach habe sich das gewandelt: Der Fokus rückte immer mehr auf seinen Glauben und er wurde als Muslim wahrgenommen. Erdal blickt darauf zwiegespalten: Zum einen sei es schön zu sehen, wie sichtbar die Vielfalt in Stuttgart sei und dass auch Muslim:innen dazugehörten. Zum anderen sei es herausfordernd, dass er sich als Muslim in Entscheidungspositionen und Zivilgesellschaft oder gesellschaftlich relevanten Positionen oftmals nicht repräsentiert sehe. Daher habe er Zweifel, ob seine Interessen in gleicher Art und Weise vertreten werden, sagt er. 

 
 

Erdal zufolge könne es bereichernd für alle sein, wenn Muslim:innen in ihrer Diversität Ressourcen zur Verfügung gestellt werden könnten, um mit ihrem Denken und ihren Erfahrungen gezielt etwas für die Stadt umzusetzen. So könnten sie auch das Stadtbild mitprägen. Und man solle darauf vertrauen, dass sie etwas Angemessenes auf die Beine stellen. Deutsche und nicht-deutsche Muslim:innen sollten insgesamt strukturell mehr eingebunden werden und dabei Entscheidungsbefugnisse haben, also nicht nur beratend angefragt werden, während andere Stellen die endgültige Entscheidung treffen. Weiterhin wünscht sich Erdal, dass Muslim:innen mehr eigene Vorschläge einbringen können sollten, die dann auch in einer Form umgesetzt werden, dass sie die Selbstwirksamkeit selbst erleben können. „Ich meine, letzten Endes geht es hier um die Kommune, um die Stadt, um dein nächstes Umfeld. Sollte nicht das ausschlaggebend oder einschränkend sein, um sich einbringen zu können?“, fragt Erdal. Und wenn Muslim:innen nicht in allen Bereichen soweit seien, um dieser Verantwortung gerecht werden zu können, wäre es seiner Meinung nach dennoch falsch, es nicht zu versuchen und vor allem ihnen nicht das Vertrauen zuzusprechen, dies leisten zu können. „Wenn sie dabei scheitern, haben sie genau das gleiche Recht, dabei zu scheitern“, betont er.

 
Ich meine, letzten Endes geht es hier um die Kommune, um die Stadt, um dein nächstes Umfeld. Sollte nicht das ausschlaggebend oder einschränkend sein, um sich einbringen zu können?
 

Mit seinem beruflichen Werdegang in der Energiewirtschaft möchte Erdal versuchen, die Gesellschaft nachhaltig weiterzuentwickeln. Nicht nur wirtschaftlich müsse die Gesellschaft wachsen, sondern auch im Zusammenhalt und in der Entwicklung der Gemeinschaft. Die Klimakrise und die Energiewende seien bedeutende Themen dieses Jahrhunderts. Mit seiner Arbeit möchte er einen Beitrag dazu leisten, dass die Gesellschaft mutig Veränderungen wagt. Er gehe dazu gerne ins Gespräch mit anderen Menschen und versuche dabei gleichzeitig mit seinen Ideen wissenschaftlich und technisch der Sache zu dienen, aber vor allem einen Beitrag dazu zu leisten, was er für eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe hält. Das lebt Erdal auch zu besonderen Anlässen, wie etwa dem islamischen Fastenmonat. Er selbst fastet und lädt gerne Menschen zum Fastenbrechen, auch wenn sie selber keine Muslim:innen sind und nicht fasten. „So kommt man in den Austausch und kann sich dann auch tiefer über diese Themen austauschen. Abseits der gängigen Klischees“, erklärt er.

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