Tuba Rahmann

Tuba Rahmann ist in Stuttgart in verschiedenen zivilgesellschaftlichen Projekten engagiert, die muslimisches Leben, interkulturelle Beziehungen und politische Bildung betreffen. Sie beobachtet, dass sich die Angebote für Muslim:innen in der Stadt in den letzten Jahren verbessert haben. So gebe es Möglichkeiten, die eigene muslimische Identität oder interkulturelle Perspektiven einzubringen. Gleichzeitig sei dies aber noch nicht selbstverständlich und manche Projekte fühlten sich für sie nicht immer passend an. Besonders wichtig sei ihr die Nachhaltigkeit von Angeboten – also Strukturen, die nicht nur einzelne Personen, sondern auch zukünftige Generationen erreichen. „Die Nachhaltigkeit wiederum ist so eine Frage, an der ich jetzt noch ein bisschen scheitere. Ich denke mir: Wie kann man hier bestimmte Angebote für Muslim:innen schaffen? Wie kann ich mein Potenzial so erweitern, dass es auch nachhaltig ist, also nicht nur für mich selbst, sondern auch für die zukünftigen Generationen oder meine Mitmenschen? Genau da gibt es noch nicht so viele Angebote“, erklärt Tuba.

 

Tuba sieht muslimisches Leben in Stuttgart durchaus präsent, etwa durch muslimisch gelesene Personen im öffentlichen Raum. In Bezug auf strukturelle Teilhabe gebe es jedoch noch viel Luft nach oben. Sie wünscht sich, dass Religion und Glaube als selbstverständlicher Bestandteil der Gesellschaft wahrgenommen und respektiert werden – nicht nur durch symbolische Gesten, sondern durch echte, sichtbare Angebote.

 
 

Für das Zusammenleben in der Stadt empfiehlt Tuba der muslimischen Bevölkerung Eigeninitiative, Zuverlässigkeit und Vernetzung. Muslim:innen sollten aktiv auf die Kommune, Vereine und Politiker:innen zugehen, zivilgesellschaftlich denken und Projekte über die eigene Community hinaus unterstützen. So eröffne sich die Möglichkeit, eigene Interessen einzubringen und gleichzeitig die Stadtgesellschaft aktiv mitzugestalten.

Die Stadtgesellschaft wiederum könne Teilhabe fördern, indem sie muslimische Identität als integralen Bestandteil anerkennt – unabhängig davon, ob Menschen religiös praktizierend sind oder kulturelle Bezüge haben. Tuba erklärt dazu: „Ihre muslimische Identität sollte als Teil der Gesellschaft angesehen werden. Das sollte die gesamte Vielfalt von Muslim:innen in Stuttgart umfassen: Es gibt sowohl Muslim:innen, die ihren Glauben aktiv praktizieren, aber auch Menschen, die muslimische Wurzeln haben. Unabhängig davon, ob sie gläubig sind oder nicht, ob sie sich dem Islam angehörig fühlen oder nicht, sind auch sie kulturell muslimisch. Diese muslimischen Spuren in Stuttgart sollten in ihrer Gesamtheit wertgeschätzt und als Teil der Stuttgarter Geschichte angesehen werden.“ Tuba betont die Bedeutung von intersektionalem und interkulturellem Denken, um die Vielfalt innerhalb der muslimischen Community als Bereicherung zu sehen und nicht als Hürde.

 
Wir müssen nicht komplett gleich sein. Wir müssen nicht alle einer Kategorie angehören. Aber wir sitzen alle im selben Boot und das soll eben respektiert werden.
 

Ihren eigenen Beitrag sieht Tuba darin, das Miteinander zu stärken und Unterschiede als Chance zu begreifen. Durch Engagement in unterschiedlichen Projekten, die unter anderem jüdisch-muslimische Beziehungen, politische Bildung und theologische Diskussionen fördern, möchte sie Aufklärung, Zusammenhalt und Respekt fördern. Sie wünscht sich, dass Muslim:innen in Stuttgart als Teil Deutschlands wahrgenommen werden und dass ihre Migrationsgeschichte geschätzt wird. Zugleich müsse strukturelle Diskriminierung sichtbar werden. Ziel ist für Tuba, dass Menschen in Stuttgart – unabhängig von Glauben oder Herkunft – ein stabiles, gemeinsames und wertschätzendes Leben führen können. Daher betont sie: „Wir müssen nicht komplett gleich sein. Wir müssen nicht alle einer Kategorie angehören. Aber wir sitzen alle im selben Boot und das soll eben respektiert werden.“

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