Münevver Çakıcı

Münevver Çakıcı ist 24 Jahre alt, arbeitet beim Jobcenter der Stadt Stuttgart und engagiert sich ehrenamtlich in ihrer Moscheegemeinde in Kornwestheim, im Muslimennetzwerk Stuttgart sowie im Verein Muslimischer Begegnungs- und Gebetsraum Stuttgart. Ihr Weg ins Ehrenamt begann früh – wie bei vielen: „Man wird irgendwie hineingetragen – durch die Familie, durch die Gemeinde. Erst ist man nur dabei, später übernimmt man Verantwortung.“

 

Das muslimische Leben in Stuttgart empfindet Münevver als angenehm und von einem Gefühl der Zugehörigkeit geprägt: „Man ist Teil der Stadtgesellschaft – nicht als Gast, sondern als jemand, der dazugehört.“ Besonders in ihrer Heimatstadt Kornwestheim und durch zahlreiche persönliche Begegnungen – etwa im Lieblingsrestaurant oder bei zivilgesellschaftlichen Projekten – spürt sie dieses Gefühl von Heimat, Zugehörigkeit und Verwurzelung.

Doch trotz dieser positiven Erfahrungen fehlt ihr in Stuttgart die sichtbare Präsenz muslimischen Lebens: „Es passiert so viel, aber vieles davon still. Muslim:innen tun Gutes, aber reden selten darüber.“ Das führe zu einem verzerrten Bild in der Öffentlichkeit. Sichtbarkeit sei nicht nur eine Frage von Medienpräsenz, sondern auch von Infrastruktur: Gebetsräume, offene Moscheen, Räume für Begegnung – all das wünsche sie sich stärker im Stadtbild verankert.

 
 

Münevver plädiert dafür, aus den eigenen „Bubbles“ herauszutreten – sowohl auf Seiten der muslimischen Community als auch in der Mehrheitsgesellschaft. Es brauche mehr Austausch auf Augenhöhe – nicht nur zu Ramadan oder kurz vor Wahlen. „Ich wünsche mir einen ehrlichen, langfristigen Dialog – mit echtem Interesse und ohne Vorurteile“, sagt sie.

Einen schönen Aspekt sieht sie bei der Beschäftigung von muslimischen Mitarbeiter:innen – besonders in Institutionen wie Behörden oder Bildungseinrichtungen. Dort erlebe sie immer wieder, wie viel Entlastung allein das Gefühl bringt, verstanden zu werden. Wenn ein Mensch mit Migrationsgeschichte einem anderen gegenübersteht – auch ohne die gleiche Sprache zu sprechen –, könne das schon Brücken bauen: „Man erkennt sich irgendwie. Und das gibt Sicherheit.“

Ihr Engagement ist tief mit ihrem Glauben verbunden. Für sie bedeutet muslimische Identität auch Verantwortung: „Ich trage Kopftuch. Ich repräsentiere. Also muss ich mir doppelt Gedanken machen, wie ich auftrete.“ Ihre Motivation zieht sie aus dem Wunsch, die Gesellschaft für kommende Generationen offener zu gestalten: „Ich will, dass mein Neffe in eine Gesellschaft hineinwächst, die ihn nicht formt, sondern ihm Raum lässt, er selbst zu sein.“

 
Es passiert so viel, aber vieles davon still. Muslim:innen tun Gutes, aber reden selten darüber.
 

Ihr Appell an junge Muslim:innen in Stuttgart: aktiv werden, Fragen stellen, sich nicht entmutigen lassen – auch wenn man mal Fehler macht. Und an die Stadtgesellschaft: Zugänge schaffen, Begegnung ermöglichen, Initiativen unterstützen und zuhören.

Münevver glaubt: „Jede Geschichte zählt. Und wenn wir einander zuhören, kann sich etwas verändern.“

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