Muhammad Aladin
Muhammad Haydar Aladin lebt seit 1997 in Deutschland und hier in Stuttgart seit 2002. Er ist erster Vorsitzender der irakisch-schiitischen Al-Mustafa Versammlung e. V. Die Gemeinde betreut knapp 150 Familien und bietet neben religiösen Diensten auch Arabischunterricht für Kinder an. Weiterhin finden Angebote für Frauen und Jugendarbeit statt.
Das Leben als Muslim in Stuttgart empfindet Muhammad als weitestgehend sicher und gut. Im Allgemeinen begegneten Muslim:innen in der Stadt nicht allzu viele Probleme, meint er. Allerdings benötige es noch viel mehr Aufklärungsarbeit über muslimisches Leben. Dafür sei mehr Begegnung besonders wichtig, ist er überzeugt. Vor allem müsse das Bild aufgearbeitet werden, dass Muslim:innen im Kollektiv radikal seien. Es werde oft übersehen, dass viele Muslim:innen selbst Opfer radikaler Kräfte, wie der Terrororganisation IS, würden. In diesem Zusammenhang sieht Muhammad die Medien in der Pflicht, sich mehr mit dem Islam und seiner Vielfalt auseinanderzusetzen und darüber zu berichten, denn dies präge das gesellschaftliche Denken entscheidend mit. „Wenn wir manchmal erklären, dass wir Schiiten sind, werden wir sofort mit dem Iran und dem politischen Islam in Verbindung gebracht. Aber es gibt Schiiten im Iran, im Irak, im Libanon und anderen Ländern. Nicht alle denken gleich“, betont er.
Muslim:innen sollten sich Muhammads Meinung nach mehr engagagieren und damit präsenter in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft werden. Sie seien teilweise selbst schuld daran, dass sie nicht genug repräsentiert sind. „Wir müssen mehr in die soziale Arbeit, in die Kulturarbeit, auch in die Politik“, sagt er. Seine Gemeinde habe sich kurz vor der Bundestagswahl von der Islamberatung Baden-Württemberg zum Thema Wahlen in Deutschland beraten lassen. „Alle Muslime sollten sich an Wahlen beteiligen, denn sie sind ein Teil dieser Gesellschaft“, gibt Muhammad zu verstehen. Und sie sollten sich im sozialen Bereich mehr einbringen, wie etwa in Altersheimen oder der Seelsorge. „Hier in Stuttgart gibt es Bedürfnisse, da müssen wir uns als Muslime auch einmischen und helfen“, erklärt er.
„Alle Muslime sollten sich an Wahlen beteiligen, denn sie sind ein Teil dieser Gesellschaft.“
Daneben sei auch der interreligiöse Dialog von großer Bedeutung. Seine Gemeinde bemühe sich, diesen zu fördern und aktiv zu gestalten. Zum Beispiel fand eine Veranstaltung zur Stellung der Frauen in den Religionen statt. Dabei wurden viele Gemeinsamkeiten, insbesondere im Hinblick auf das Bild der Maria als Vorbild deutlich. Daher sollten sich die Menschen voneinander und übereinander informieren, statt sich primär von verzerrten Bildern aus den Medien gegeneinander aufbringen zu lassen. Aber auch der innerislamische Dialog sei enorm wichtig. In seiner Gemeinde seien Muslim:innen aus anderen Strömungen willkommen und man lade sie zu Veranstaltungen ein. Eine Zusammenarbeit zwischen Muslim:innen sei notwendig, wie er betont, da letztendlich alle Muslim:innen seien. Das sollte immer im Vordergrund stehen und nicht die Differenzen. Ein gemeinsames Auftreten würde es auch der Gesellschaft einfacher machen, mit Muslim:innen umzugehen. Zum Abschluss betont Muhammad: „In unserem Verein heißen wir alle Menschen willkommen, auch Nicht-Muslime. Außerdem sind wir der Überzeugung, dass wissenschaftlicher und kultureller Dialog die Grundlage für den Aufbau von Gesellschaften bildet“.