Oumaima Soukrat

Oumaima Soukrat ist mit ihren 30 Jahren schon sehr erfahren im Ehrenamt und in der Bildungsarbeit. Sie studiert in Tübingen Englisch, Islamische Religionslehre und Erziehungswissenschaften mit dem Abschlussziel Master of Education und möchte Lehrerin werden. Aktuell ist die Reutlingerin im jüdisch-muslimischen Projekt Yad be Yad in Stuttgart tätig. Sie wurde dieses Jahr als ordentliches Mitglied mit dem Schwerpunkt Antidiskriminierung in den Reutlinger Integrationsrat gewählt.

 

Die Entwicklung der Situation für Muslim:innen in Stuttgart bewertet Oumaima für die letzten Jahre leicht positiv. Es gebe inzwischen mehr Möglichkeiten, etwas sichtbarer zu werden und sich einzubringen. Dies sei beispielsweise an dem Muslimennetzwerk von engagierten jungen Menschen zu erkennen. Allerdings seien Muslim:innen immer noch nicht präsent genug. In bestimmten Bereichen, etwa in der Politik, Kunst oder Kultur, wünscht sich Oumaima mehr muslimische Menschen. So könnte man noch stärker Teil der Gesellschaft werden. Ihr Wunsch: „Dass wir Muslim:innen da einfach überall sichtbar und vertreten sind und unsere Meinung einbringen. Einfach weil wir 10 % der Bevölkerung in Stuttgart ausmachen“, erklärt sie. Muslim:innen sollten sich ihrer Meinung nach insgesamt trauen, mehr „nach vorne zu gehen, lauter zu sein, im Sinne von selbstbewusster, dialogfähiger und bereit, Verantwortung im öffentlichen Raum zu übernehmen“, wie sie sagt. „Wir können Brücken bauen und uns bei konkreten gesellschaftlichen Fragen einbringen“, ist sie überzeugt.

Dafür sei es wichtig, dass auch die Zivilgesellschaft sich noch offener zeigt und Meinungen von Muslim:innen mehr Gehör schenkt. Zwar würden die Meinungen von Quotenmuslim:innen oder Quotenmigrant:innen abgebildet, aber es mache den Anschein, dass dies nur der Fall sei, wenn diese Äußerungen in einen bestimmten Rahmen passen. Die Folge: Viele Muslim:innen trauten sich nicht in bestimmte Bereiche, weil sie einfach zu viele Diskriminierungserfahrungen gemacht hätten und/oder nicht sie selbst sein konnten. Da sei es schwierig, diesen Schritt zu gehen und genügend Vertrauen aufzubringen. Deshalb brauche es Unterstützung und Ermutigung von Akteur:innen aus der Zivilgesellschaft. Solche Unterstützung könnte das nötige Vertrauen herstellen, meint Oumaima.

 
 

Für sie selbst war die Förderung einer Lehrerin und eines Sozialarbeiters von großer Bedeutung. Die Lehrkraft habe Oumaimas Interessen gesehen und sie ermutigt, eine Ausbildung zum Jugendguide für KZ-Gedenkstätten im Zollernalbkreis zu absolvieren. Und der Sozialarbeiter des Stadtjugendrings Reutlingen habe ihrer muslimischen Mädchengruppe mit einer Jugendleiterausbildung, einem hilfsbereiten Netzwerk und kostenlosen Räumlichkeiten die Türen zur Jugendarbeit geöffnet.

Oumaima nimmt die muslimische Community auch in die Pflicht, denn sie sollte mutiger und aktiver werden und all ihre Fähigkeiten auch zeigen. „Wir können uns auf jeden Fall dennoch in diesem Land sichtbar machen. Das heißt: Mut zur Teilhabe, Mut zur Veränderung. Und die Bereitschaft, sich Wissen anzueignen, das wir jetzt gerade noch nicht haben, und dieses Wissen dann in der Community zu teilen. So können wir mehr Leuten zeigen, wie viel eigentlich hier in Deutschland doch möglich ist“, betont sie und fährt fort: „Einbringen können wir dann aber auch unsere religiöse Perspektive und unsere religiöse Motivation, aus der heraus wir diese Welt verbessern möchten.“

 
Wir sollten tatsächlich jeden Tag daran arbeiten, dass die Demokratie bleibt bzw.
sich sogar verbessert.
 

Für Oumaima ist der Glaube der größte Motivator. Er sei der einzige Grund, warum sie auch trotz Rückschlägen immer daran festhalte, „dass wir auf der Erde sind, um sowohl für uns als auch für alle anderen, für die Gemeinschaft, einfach für die Menschen auf dieser Welt das Leben hier gut zu machen“, sagt sie. Es brauche aktive Menschen, die Verbesserung herbeiführen und eine positive und menschenfreundliche Gesellschaft gestalten möchten. Man solle sich nicht darauf ausruhen, dass wir in einer Demokratie leben, „sondern wir sollten tatsächlich jeden Tag daran arbeiten, dass die Demokratie bleibt bzw. sich sogar verbessert“, meint Oumaima.

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Ibrahim Selek

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