Jwanita Khatib
Jwanita Khatib ist eine engagierte Muslima, die seit über 25 Jahren im Raum Stuttgart lebt und mit Leidenschaft Brücken baut – zwischen Menschen, Religionen und Kulturen. Als ausgebildete Seelsorgerin unterstützt sie wöchentlich Patient:innen und deren Angehörige im Robert Bosch Krankenhaus. Dort schenkt sie nicht nur Trost, sondern auch neue Perspektiven und Hoffnung.
Als Mitgründerin und Vorsitzende des Vereins Coexist e. V. setzt sie sich mit Herzblut für Gleichberechtigung und Teilhabe aller Menschen ein. Der Verein arbeitet gezielt in die islamische Community hinein, stärkt durch Empowerment-Angebote Muslim:innen und schafft Foren für den gesellschaftlichen Austausch. Ebenso wichtig ist Jwanita der Kontakt zu Nichtmuslim:innen – denn für sie ist echter Dialog nur möglich, wenn man aufeinander zugeht, Vorurteile abbaut und gemeinsam Räume der Begegnung gestaltet.
Gemeinsam mit ihrem Team initiiert sie eigene Projekte, beteiligt sich an Veranstaltungen und vernetzt sich mit starken Partnern wie dem Forum der Kulturen Stuttgart, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, dem Jugendausschuss der Stadt Stuttgart und dem Stadtjugendring Stuttgart.
Ihr Ziel: Sichtbarkeit. „Ich habe festgestellt, dass, wenn ich etwas alleine anbiete, oft niemand kommt. Aber wenn ich Teil eines größeren Ganzen bin, dann werde ich gehört und gesehen – und genau deshalb arbeite ich vernetzt“, sagt sie.
Für Jwanita ist Stuttgart eine Stadt der Vielfalt – und diese Vielfalt will sie aktiv mitgestalten. Mit rund 10 % Anteil an der Bevölkerung seien Muslim:innen zwar präsent, doch oft noch unterrepräsentiert, vor allem wenn es um Entscheidungsprozesse geht. Muslimische Vereine würden häufig auf Integrationsthemen reduziert, dabei könnten sie ebenso wertvolle Beiträge in Bildung, Kultur und Kunst leisten.
Jwanita macht sich stark dafür, dass Muslim:innen nicht nur eingeladen werden, sondern als Expert:innen wahrgenommen und in Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Sie bringt durch ihre persönliche Geschichte, ihre Fachkenntnisse und ihre Arbeit bei Coexist die Perspektive einer selbst Betroffenen ein – und wirkt so als Brücke zwischen Religion, Identität und Gesellschaft.
Besonders schätzt sie es, wenn Institutionen Coexist als eigenständigen Verein mit eigenen Ideen wahrnehmen und unterstützen. „Das ist für mich Empowerment pur“, betont sie. Sie weiß aber auch, dass nachhaltige Veränderungen nur gelingen, wenn Offenheit keine Einbahnstraße ist: „Von Muslim:innen wird immer Offenheit erwartet. Aber sie muss auch von der anderen Seite kommen.“ Und sie betont: „Es geht darum, nicht nur als Gast und als Deko da zu sein, sondern als Expertin.“
„Es geht darum, nicht nur als Gast und als Deko da zu sein, sondern als Expertin.“
Für die Zukunft wünscht sich Jwanita, als Individuum gesehen zu werden – nicht auf ein Kopftuch oder eine Rolle reduziert – und dass ihre Arbeit als Beitrag zu einer gemeinsamen, vielfältigen Gesellschaft anerkannt wird.