Dr. Saffet Özkaya

Dr. Saffet Özkaya kam mit fünfzehn Jahren aus dem türkischen Konya nach Deutschland – ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Seit 2001 ist er Arzt am Katharinenhospital in Stuttgart und vor etwa zehn Jahren wurde er dort Oberarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie sowie einer der Leiter der Fuß- und Sprunggelenkchirurgie. Sein Weg dorthin war nicht geradlinig, aber Dr. Özkaya ging ihn beharrlich: vom Hauptschulabschluss über eine Ausbildung zum Chemiefacharbeiter bis hin zum Abitur und schließlich zum Medizinstudium in Tübingen. „Unmöglich war es nicht. Ich bin der Beweis“, sagt er.

 

Seit über 25 Jahren lebt der dreifache Familienvater in Stuttgart-Mitte. Das Leben in Stuttgart empfindet er grundsätzlich als bereichernd: Stuttgart sei vielfältig, offen und ein Ort, an dem er sich als Muslim im Alltag meist akzeptiert und respektiert fühle. Gleichzeitig wünscht er sich, dass muslimisches Leben ein sichtbarer und selbstverständlicher Teil des gesamtgesellschaftlichen Alltags wird. Zwar gebe es Moscheen, Vereine und zahlreiche Aktivitäten, doch vieles davon bleibe nach wie vor innerhalb der eigenen Kreise. Sichtbarkeit bedeute für ihn: Räume schaffen, gemeinsam gestalten und sich gegenseitig kennenlernen. Sie werde ermöglicht durch interkulturelle Feste, öffentliche Diskussionsrunden und gemeinsame soziale Projekte. So könne man Brücken bauen und Vorurteile abbauen. 

Besonders wichtig ist Dr. Özkaya, dass Integration kein einseitiger Prozess ist. Er beobachtet, dass oft mehr Erwartungen an Muslim:innen gestellt würden als umgekehrt von ihnen an die Gesellschaft – etwa wenn seit Jahrzehnten dieselben Fragen über den Ramadan oder religiöse Gebote auftauchten und die Fragenden auch nach wiederholten Antworten noch verwundert über diese seien. Für ihn zeigt das, dass die Mehrheitsgesellschaft aktiver auf Muslim:innen zugehen sollte. Ein kleines Erlebnis hat ihn darin bestärkt: Als er die Nachbarschaft zum Iftar einlud und an einem anderen Tag selbst zu deren Feier hinüberging, habe sich die Sicht um 100 Prozent geändert. Freundschaft beginne mit einem Schritt aufeinander zu, ist er überzeugt.

 
 

Von der Stadtgesellschaft wünscht sich Dr. Özkaya mehr Begegnungsräume sowie politische Zeichen der Anerkennung. Besonders am Herzen liege ihm die Anerkennung muslimischer Feiertage. Für ihn sei das ein Symbol echter Zugehörigkeit: „Wir feiern Ostern und Pfingsten gemeinsam. Warum nicht auch unsere beiden großen Feste?“ Entscheidend sei, Teilhabe nicht als Möglichkeit, sondern als Selbstverständlichkeit zu begreifen. 

In seinem medizinischen Alltag prägten ihn die Begegnungen mit Menschen. Jede Geschichte, sagt er, sei einzigartig. Der weiße Kittel erleichtere vieles – er schaffe Vertrauen und Respekt. Vorurteile habe er früher durchaus erlebt, heute aber deutlich seltener. Die Gesellschaft sei offener geworden, vor allem dort, wo Menschen einander tatsächlich begegnen.

Eine zentrale Rolle in seinem Leben spielt für ihn der Glaube. Er gebe ihm Halt, Orientierung und Gelassenheit – besonders in langen, belastenden Operationen. „Mein Tun hat einen tiefen Sinn, nämlich dem Menschen zu dienen. Wer Menschen dient, dient auch Gott“, sagt er. 

An junge Muslim:innen richtet Dr. Özkaya einen klaren Rat: den Islam nicht nur zu kennen, sondern zu leben – als Quelle von Tugenden wie Ehrlichkeit, Pünktlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Güte. Diese Werte seien keine kulturellen Zufälle, sondern ein geistiges Fundament. „Wenn wir diese Tugenden verinnerlichen, werden viele Probleme sich von selbst lösen. Wir werden verstanden, respektiert – und können ein gutes Vorbild sein“, ist er überzeugt.

 
Wenn man möchte, kann man alles schaffen. Man muss es wollen und zielgerichtet arbeiten.
 

Sein Lebensweg zeige, was möglich ist, wenn Wille, Glaube und Ausdauer zusammenkommen: „Wenn man möchte, kann man alles schaffen. Man muss es wollen und zielgerichtet arbeiten“, formuliert es Dr. Özkaya.

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Aysel Özdemir

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